Rechts von Ihnen liegt die Naturwaldzelle Rosenberg. Sie wurde bereits 1998 mit einer Größe von 35,4 ha ausgewiesen. Damit liegt sie über dem landesweiten Durchschnitt von 21,3 ha.
Bereits 1971 wurde in Nordrhein-Westfalen mit der Ausweisung von Naturwaldzellen begonnen. Inzwischen existieren in unserem Bundesland 75 solcher Naturwaldzellen. Ziel ist es, naturnahe Waldbe-stände, die nach Standort, Baumartenzusammensetzung und Bodenvegetation die natürlichen Waldgesellschaften gut repräsentieren, für Forschung und Lehre langfristig zu erhalten und ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Entsprechend ihrer weiten natürlichen Verbreitung herrschen Buchen-Waldgesellschaften vor. Der Waldbestand in den Naturwaldzellen wird konsequent sich selbst über-lassen. Bewirtschaftungsmaßnahmen sind nicht erlaubt. Anfallendes Holz darf nicht entnommen wer-den. Periodische Standard- und gelegentliche Spezialuntersuchungen dokumentieren die Entwicklung jeder Naturwaldzelle über einen langen Zeitraum hinweg und gewinnen somit wertvolle Erkenntnisse für die Waldökologie und die forstliche Praxis in naturnah betriebenen Wirtschaftswäldern.
Wissenschaftliche Neugier
Wo die Säge schweigt und kein Waldarbeiter mehr Setzlinge pflanzt, lässt sich das natürliche Konkurrenzverhalten der Bäume ebenso studieren wie die unbeeinflusste Abfolge von Wachstum, Alterung, Zerfall und Verjüngung. Das waren die Motive für die Errichtung der Naturwaldzellen
Alter und Tod gehören dazu
Nahezu alle nordrhein-westfälischen Wälder sind durch Holzproduktion und andere Nutzungen seit Jahrhunderten mehr oder weniger stark verändert worden. Vor einigen Jahren noch war Kahlschlagwirtschaft und flächiges Aufforsten mit schnellwüchsigen Arten die Regel. Trotz einer Entwicklung zum naturnahen Waldbau sind Jahrhunderte alte Baumriesen, stehen-des oder liegendes Totholz großer Dimensionen noch immer Raritäten im Wald.
Alte und abgestorbene Baumveteranen bieten Lebensräume für Totholz bewohnende Pilz- und Tierarten, die im Wirtschaftswald kaum zum Zuge kommen. Alters- und Zerfallsphase gehören genauso zum natürlichen Lebenslauf eines Waldes wie Verjüngung und Zuwachs. Wissenschaftler möchten deshalb gerne mehr über die natürlichen Entwicklungsprozesse unserer Wälder erfahren. Welche Baumarten sind unter den jeweiligen Boden- und Klimabedingungen am Stärksten? Wie groß und wie alt werden sie? Dulden sie Konkurrenz? Wächst eine neue Generation synchron heran oder entsteht ein buntes Durcheinander unterschiedlicher Altersstufen? Wie reagiert der Wald auf außergewöhnliche Witterungsereignisse oder Schädlingsbefall? Oder wie wird eine vom Sturm gerissene Lücke wieder besiedelt, und was passiert mit den vielen Kubikmetern Holz nach dem Tod eines Baumes?

