In den letzten Jahrzehnten ist in den Industrieländern die Häufigkeit von allergischen Erkrankungen deutlich angestiegen. Laut einer aktuellen Statistik wird der Anteil der Allergiker in Deutschland bereits auf 20 % der Gesamtbevölkerung geschätzt. Eine abschließende Erklärung für diese Entwicklung gibt es allerdings bis heute nicht. Veränderungen unserer Lebensgewohnheiten und der Ernährung, die veränderten hygienischen Bedingungen, ein Rückgang parasitärer Erkrankungen und genetische Faktoren werden als Ursachen für die Zunahme von allergischen Erkrankungen diskutiert. Aber auch Veränderungen unserer Umwelt und hier insbesondere die nach wie vor hohen Konzentrationen von Stickstoffoxiden und Ozon in der Luft werden für die starken Reaktionen des menschlichen Immunsystems verantwortlich gemacht. Inzwischen weiß man, dass Luftschadstoffe mit den natürlichen Eiweißen von Blütenpollen chemische Verbindungen eingehen. Die dadurch veränderten Eiweiße rufen besonders heftige allergische Reaktionen hervor. Ähnliche allergiefördernde Verbindungen werden für Feinstäube vermutet.
Allergisch gegen den Klimawandel?
Die Folgen des Klimawandels auf die Allergiesaison in Europa sind bereits heute spürbar. Mit der Erwärmung insbesondere in den Wintermonaten verschiebt sich die Saison der Frühblüher nach vorne, wobei die Intensität der Belastungen aber vermutlich nicht zunehmen wird. Gleiches gilt für Sommerblüher wie die Gräser. Bei den Herbstblühern wird grundsätzlich auch eine Zunahme der Intensität der Pollenbelastung erwartet. Für Allergiker bedeutet dies, dass die pollenfreie Zeit und damit die Phase der körperlichen Erholung kürzer wird. Die Pollensaison hat sich in den
letzten 30 Jahren europaweit im Durchschnitt bereits um zehn bis elf Tage verlängert. Hinzu kommt die Ausbreitung stark allergener Pflanzen. Mit der Temperaturerwärmung können sich bisher in unseren Breiten nicht vorkommende wärmeliebende Arten etablieren. Zu diesen Arten gehört z. B. die aus Nordamerika stammende und sich invasiv ausbreitende Beifuß-Ambrosie (Ambrosia artemisiifolia). Ihre Pollen zählen zu den stärksten Allergie-Auslösern und können zu schweren heuschnupfenartigen Symptomen oder gar zu Asthma führen. Schon kleinste Pollenmengenreichen für eine Reaktion aus.
Wann die Pollen fliegen
Der Deutsche Wetterdienst erstellt in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst mit Sitz in Bad Lippspringe Vorhersagen des Flugs der allergologisch wichtigsten Blütenpollen: Birke, Erle, Hasel, Süßgräser, Roggen, Beifuß und Ambrosie. Auch in Bad Lippspringe befindet sich eine von bundesweit 51 Pollenfallen. Die tägliche Vorhersage hilft Allergikern, sich auf die aktuelle Pollenflugsituation einzustellen und Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen: www.dwd.de/pollenlug. Der Blühbeginn der Pflanzen in Mitteleuropa kann witterungsbedingt bis zu sechs Wochen schwanken. Außerdem hängt die Konzentration der freigesetzten Pollen ganz entscheidend vom aktuellen Wetter ab.

